Husqvarna 136 repariert: Vergaser und Zündspule

Husqvarna 136 dreht nicht hoch: Vergaser und Nachbau-Zündspule als Ursache

Eine Motorsäge, die im Leerlauf sauber läuft, beim Gasgeben aber stottert und nicht richtig hochdreht, kann verschiedene Ursachen haben. Neben einer unzureichenden Kraftstoffversorgung kommen auch Fehler an der Zündanlage infrage. Bei dieser Husqvarna 136 waren sogar mehrere Probleme gleichzeitig vorhanden.

Die Motorsäge wurde mir von einem Zuschauer zur Überprüfung zugesendet. Noch bevor ich den ersten Testlauf durchführen konnte, fiel bereits der stark beschädigte Benzinfilter auf. Bei der weiteren Diagnose bestätigte sich außerdem der Verdacht, dass sowohl der Vergaser als auch die zuvor eingebaute Nachbau-Zündspule Probleme verursachten.

Die Husqvarna 136 läuft im Leerlauf, dreht aber nicht hoch

Das Fehlerbild war zunächst relativ eindeutig: Die Husqvarna 136 lief im Leerlauf stabil, hatte jedoch beim Gasgeben Schwierigkeiten, sauber auf Drehzahl zu kommen.

Ein solches Verhalten kann unter anderem durch folgende Probleme verursacht werden:

  • unzureichende Kraftstoffzufuhr,
  • verschmutzten Vergaser,
  • zugesetztes Vergasersieb,
  • verhärtete oder beschädigte Vergasermembranen,
  • falsche Vergasereinstellung,
  • defekte Kraftstoffschläuche,
  • Nebenluft,
  • schwachen oder unregelmäßigen Zündfunken,
  • fehlerhafte Zündspule.

Da an dieser Säge zuvor bereits die Zündspule ersetzt worden war, musste neben dem Kraftstoffsystem auch die Zündanlage genauer überprüft werden.

Der Benzinfilter war teilweise zerfallen

Bereits bei der ersten Sichtprüfung fiel auf, dass der Benzinfilter nur noch teilweise vorhanden war. In diesem Zustand kann er seine eigentliche Aufgabe nicht mehr zuverlässig erfüllen.

Der Benzinfilter soll verhindern, dass Schmutzpartikel aus dem Tank in den Kraftstoffschlauch und anschließend in den Vergaser gelangen. Ist der Filter beschädigt oder zerfallen, können Verunreinigungen ungehindert in das Kraftstoffsystem gelangen.

Das führt häufig zu Problemen an besonders kleinen Durchgängen im Vergaser. Dazu gehören beispielsweise:

  • das Kraftstoffsieb,
  • das Nadelventil,
  • feine Kraftstoffkanäle,
  • Düsen und Regelbohrungen.

Ein beschädigter Benzinfilter sollte deshalb nicht erst dann ersetzt werden, wenn die Motorsäge gar nicht mehr startet. Schon kleine Verschmutzungen können dazu führen, dass der Motor unter Last oder bei hoher Drehzahl nicht mehr ausreichend mit Kraftstoff versorgt wird.

Das Vergasersieb war mit Schmutz zugesetzt

Nach dem Ausbau und Öffnen des Vergasers bestätigte sich der Verdacht: Das feine Metallsieb im Vergaser war deutlich verschmutzt.

Dieses Sieb sitzt im Kraftstoffbereich des Vergasers und dient als zusätzliche Filterstufe. Es soll feinste Partikel zurückhalten, bevor der Kraftstoff in die empfindlichen Kanäle und Regelbereiche des Vergasers gelangt.

Ist das Sieb zugesetzt, kann im Leerlauf möglicherweise noch genügend Kraftstoff nachfließen. Beim Beschleunigen und unter Volllast steigt der Kraftstoffbedarf jedoch deutlich an. Der Motor erhält dann nicht mehr ausreichend Gemisch und kann folgende Symptome zeigen:

  • verzögerte Gasannahme,
  • Stottern beim Beschleunigen,
  • fehlende Höchstdrehzahl,
  • Abmagern unter Last,
  • Leistungsverlust,
  • Absterben beim Gasgeben.

Das erklärt, weshalb die Husqvarna 136 im Leerlauf zunächst relativ unauffällig lief, beim Gasgeben aber deutliche Probleme zeigte.

Vergaser reinigen und überholen

Der Vergaser wurde gründlich gereinigt und mit einem neuen Vergaser-Kit überholt. Dabei werden je nach Reparatursatz unter anderem folgende Teile erneuert:

  • Pumpenmembran,
  • Regelmembran,
  • passende Dichtungen,
  • gegebenenfalls Nadelventil,
  • Regelhebel und Feder.

Besonders bei älteren Motorsägen verlieren die Membranen mit der Zeit ihre Elastizität. Eine verhärtete Pumpenmembran fördert den Kraftstoff nicht mehr zuverlässig, während eine steife Regelmembran die Kraftstoffmenge nicht mehr präzise steuern kann.

Zusätzlich wurde der beschädigte Benzinfilter ersetzt. Ohne einen funktionierenden Filter könnte der gereinigte Vergaser innerhalb kurzer Zeit erneut verschmutzen.

Die Nachbau-Zündspule verursachte weitere Probleme

Der verschmutzte Vergaser war jedoch nicht die einzige Ursache. Der Zuschauer hatte die originale Zündspule zuvor durch eine Nachbau-Zündspule ersetzt.

Die Säge zeigte ein Laufverhalten, das zusätzlich auf Zündaussetzer bei höherer Drehzahl hindeutete. Eine Zündspule kann im Leerlauf noch scheinbar einwandfrei funktionieren, bei steigender Drehzahl und unter Zylinderdruck aber unregelmäßig arbeiten.

Bei hoher Drehzahl muss die Zündanlage innerhalb kürzester Zeit immer wieder einen ausreichend starken Zündfunken erzeugen. Minderwertige oder nicht exakt passende Zündmodule können dabei unter anderem folgende Fehler verursachen:

  • Zündaussetzer,
  • unregelmäßiges Hochdrehen,
  • Begrenzung bei zu niedriger Drehzahl,
  • Leistungsverlust unter Last,
  • Aussetzer bei Erwärmung,
  • instabilen Zündzeitpunkt.

Dass eine Zündkerze außerhalb des Motors sichtbar funkt, beweist deshalb noch nicht, dass die Zündanlage unter realen Betriebsbedingungen zuverlässig arbeitet.

Widerstand von Original- und Nachbau-Zündspule verglichen

Um die beiden Zündspulen miteinander zu vergleichen, habe ich den Widerstand der Sekundärwicklung gemessen.

Dabei ergaben sich deutlich unterschiedliche Werte:

  • Nachbau-Zündspule: etwa 5,6 kΩ
  • Originale Husqvarna-Zündspule: etwa 3,13 kΩ

Der Widerstandswert allein beweist noch nicht automatisch, dass eine Zündspule defekt oder minderwertig ist. Unterschiedliche Werte können auch durch einen anderen Wicklungsaufbau, die Drahtstärke, die Windungszahl oder zusätzliche Entstörwiderstände entstehen.

In diesem Fall war jedoch entscheidend, dass die Säge mit der Nachbau-Zündspule bei hohen Drehzahlen nicht zuverlässig lief, während sie mit der gebrauchten Originalspule wieder sauber hochdrehte. Der direkte Vergleich an derselben Motorsäge spricht daher klar für ein Qualitäts- oder Kompatibilitätsproblem der Nachbau-Zündspule.

Warum unterscheiden sich Nachbau-Zündspulen?

Eine elektronische Zündspule besteht nicht nur aus den sichtbaren Wicklungen. In ihrem Inneren befinden sich außerdem Bauteile, die den Primärstrom steuern und den Zündfunken zum richtigen Zeitpunkt auslösen.

Unterschiede können unter anderem bestehen bei:

  • Qualität des Wicklungsdrahtes,
  • Anzahl der Primär- und Sekundärwindungen,
  • Isolation zwischen den Wicklungen,
  • Vergussmasse,
  • Eisenkern,
  • interner Zündelektronik,
  • Schaltpunkt der Elektronik,
  • Wärmebeständigkeit,
  • Vibrationsfestigkeit.

Eine Nachbau-Zündspule kann äußerlich exakt wie das Original aussehen und sich problemlos montieren lassen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ihre elektrischen Eigenschaften und ihre Zündkennlinie vollständig mit dem Originalteil übereinstimmen.

Gerade bei Motorsägen, die mit hohen Drehzahlen arbeiten, können bereits kleinere Unterschiede zu einem schlechten Laufverhalten führen.

Originale Zündspule aus dem Ersatzteillager eingebaut

Die problematische Nachbau-Zündspule wurde durch eine gebrauchte originale Husqvarna-Zündspule aus meinem Ersatzteillager ersetzt.

Gebrauchte Originalteile können bei älteren Motorsägen eine sinnvolle Alternative zu minderwertigen Nachbauteilen sein. Wichtig ist natürlich, dass das Bauteil zuvor geprüft wurde und sich in einem technisch einwandfreien Zustand befindet.

Nach dem Austausch der Zündspule arbeitete die Zündung wieder zuverlässig und die Husqvarna 136 konnte sauber hochdrehen.

Das Kettenrad war stark eingelaufen

Bei der weiteren Inspektion fiel außerdem auf, dass das Kettenrad bereits deutliche Laufspuren aufwies.

Die Treibglieder der Sägekette laufen direkt über das Kettenrad. Mit zunehmender Betriebsdauer entstehen dort Vertiefungen und Verschleißspuren. Wird ein stark eingelaufenes Kettenrad weiterhin verwendet, kann das negative Auswirkungen auf die gesamte Schneidgarnitur haben.

Mögliche Folgen sind:

  • unruhiger Kettenlauf,
  • erhöhter Verschleiß der Treibglieder,
  • Belastung der Führungsschiene,
  • schlechter Kraftschluss,
  • verstärkte Vibrationen,
  • vorzeitiger Verschleiß einer neuen Sägekette.

Aus diesem Grund wurde auch das Kettenrad erneuert.

Der ursprüngliche Besitzer entschied sich gegen die Reparatur

Vor Beginn größerer Reparaturen erhalten meine Kunden grundsätzlich eine Einschätzung der voraussichtlichen Kosten. Dadurch können sie entscheiden, ob sich die Reparatur für sie wirtschaftlich lohnt.

Bei dieser Husqvarna 136 waren mehrere Arbeiten notwendig:

  • Benzinfilter ersetzen,
  • Vergaser öffnen und reinigen,
  • Vergaser überholen,
  • Zündspule ersetzen,
  • Kettenrad erneuern,
  • abschließende Einstellung und Testlauf.

Der ursprüngliche Besitzer entschied sich deshalb dagegen, die Reparaturkosten zu übernehmen. Wir haben uns anschließend darauf geeinigt, dass ich ihm die Motorsäge abkaufe.

Dadurch konnte ich die Reparatur auf eigene Rechnung fortsetzen und die Husqvarna 136 vollständig instand setzen.

Durchgeführte Reparaturen im Überblick

An der Motorsäge wurden folgende Arbeiten durchgeführt:

  • beschädigten Benzinfilter ersetzt,
  • Vergaser ausgebaut und geöffnet,
  • verschmutztes Vergasersieb gereinigt,
  • Vergaser mit neuen Membranen und Dichtungen überholt,
  • Nachbau-Zündspule überprüft,
  • Widerstand mit einer Originalspule verglichen,
  • Nachbau-Zündspule durch ein Originalteil ersetzt,
  • verschlissenes Kettenrad erneuert,
  • Motorsäge eingestellt,
  • abschließenden Testlauf durchgeführt.

Nach Abschluss der Arbeiten lief die Husqvarna 136 wieder stabil und nahm sauber Gas an.

Mehrere Fehler können ähnliche Symptome verursachen

Dieser Reparaturfall zeigt, weshalb eine systematische Diagnose bei Motorsägen so wichtig ist. Das schlechte Hochdrehen wurde nicht nur durch ein einzelnes Problem verursacht.

Der beschädigte Benzinfilter hatte dazu geführt, dass Schmutz in den Vergaser gelangte und das feine Kraftstoffsieb zusetzte. Gleichzeitig arbeitete die Nachbau-Zündspule bei hoher Drehzahl nicht zuverlässig.

Sowohl ein Kraftstoffmangel als auch Zündaussetzer können dazu führen, dass ein Zweitaktmotor:

  • stottert,
  • keine Leistung entwickelt,
  • schlecht beschleunigt,
  • unter Last einbricht,
  • die Höchstdrehzahl nicht erreicht.

Wer nur den Vergaser oder nur die Zündung überprüft, kann deshalb einen zweiten vorhandenen Fehler leicht übersehen.

Lohnt sich die Reparatur einer Husqvarna 136?

Die Husqvarna 136 ist eine kompakte Motorsäge, für die noch viele Verschleiß- und Ersatzteile erhältlich sind. Ob sich eine Reparatur lohnt, hängt jedoch immer vom Gesamtzustand und vom Umfang der notwendigen Arbeiten ab.

Neben dem Motor sollten unter anderem folgende Bereiche beurteilt werden:

  • Kolben und Zylinder,
  • Kurbelwellenlager,
  • Wellendichtringe,
  • Kraftstoffsystem,
  • Zündanlage,
  • Kupplung und Kettenrad,
  • Ölpumpe,
  • Kettenbremse,
  • Führungsschiene und Sägekette,
  • Gehäuse und Antivibrationselemente.

Ist die Grundsubstanz gut, kann eine fachgerechte Reparatur deutlich günstiger sein als die Anschaffung einer vergleichbaren neuen Motorsäge. Gleichzeitig wird eine vorhandene Maschine weiterverwendet, anstatt vorschnell entsorgt zu werden.

Fazit

Bei dieser Husqvarna 136 kamen mehrere Probleme zusammen. Der teilweise zerfallene Benzinfilter hatte Verunreinigungen in den Vergaser gelangen lassen, wodurch das Kraftstoffsieb zugesetzt wurde. Zusätzlich verursachte die eingebaute Nachbau-Zündspule Probleme bei hoher Drehzahl.

Nach der Vergaserüberholung, dem Austausch des Benzinfilters, dem Einbau einer originalen Zündspule und der Erneuerung des Kettenrads lief die Motorsäge wieder einwandfrei.

Der Fall zeigt außerdem, dass ein äußerlich passendes Nachbauteil nicht zwangsläufig die gleiche Qualität und Funktion wie ein Originalteil bietet. Besonders bei elektronischen Zündspulen kann sich eine mangelhafte Ausführung erst bei hoher Drehzahl, unter Last oder bei zunehmender Erwärmung bemerkbar machen.

Die vollständige Reparatur und den abschließenden Testlauf seht ihr in meinem aktuellen YouTube-Short.

Zurück zum Blog