Zylinder und Kolben einer Motorsäge richtig wechseln
Zylinder und Kolben einer Motorsäge richtig wechseln
Die Motorsäge springt nicht mehr an, besitzt kaum noch Kompression oder hat während des Betriebs plötzlich an Leistung verloren. In solchen Fällen liegt der Verdacht schnell bei einem beschädigten Kolben oder Zylinder.
Ein neuer Zylindersatz kann eine Motorsäge wieder vollständig zum Laufen bringen. Der Austausch sollte jedoch nicht vorschnell erfolgen. Wird lediglich der beschädigte Zylinder ersetzt, ohne die eigentliche Ursache des Motorschadens zu finden, kann auch der neue Kolben nach kurzer Zeit wieder festgehen.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du einen defekten Motor erkennst, worauf es beim Wechsel von Zylinder und Kolben ankommt und welche Unterschiede es zwischen günstigen No-Name-Nachbauten und hochwertigen Zylindersätzen von Herstellern wie Meteor gibt.
Woran erkennt man einen beschädigten Kolben oder Zylinder?
Nicht jede schlecht laufende Motorsäge hat automatisch einen Motorschaden. Startprobleme können beispielsweise auch durch den Vergaser, die Zündung, poröse Kraftstoffschläuche oder eine undichte Ansaugung verursacht werden.
Typische Hinweise auf einen beschädigten Kolben oder Zylinder sind:
- Der Starter lässt sich ungewöhnlich leicht durchziehen.
- Der Motor besitzt kaum spürbare Kompression.
- Die Motorsäge startet trotz Kraftstoff und vorhandenem Zündfunken nicht.
- Die Leistung ist plötzlich deutlich geringer.
- Der Motor geht beim Gasgeben aus.
- Die Säge lässt sich nur schwer oder gar nicht mehr durchdrehen.
- Beim Durchdrehen entstehen kratzende oder metallische Geräusche.
- Der Motor ist während des Betriebs schlagartig stehen geblieben.
- Durch den Auslass sind Riefen oder Materialablagerungen am Kolben sichtbar.
Eine einfache und sehr aussagekräftige Kontrolle ist der Blick durch den Auslass. Dazu wird der Auspuff demontiert und der Kolben langsam bewegt. Sind auf der Auslassseite tiefe senkrechte Riefen, abgebrochene Kolbenringe oder deutliche Aluminiumablagerungen erkennbar, liegt sehr wahrscheinlich ein Kolbenfresser oder starker Verschleiß vor. Auch Husqvarna empfiehlt bei unzureichender Kompression, den Auspuff abzunehmen und Kolben sowie Kolbenringe durch den Auslass zu kontrollieren.
Reicht ein Kompressionstest aus?
Ein Kompressionstest kann bei der Diagnose helfen, sollte aber nicht allein über den Zustand des Motors entscheiden. Der gemessene Wert hängt unter anderem vom Messgerät, der Anlassdrehzahl, dem Hubraum und einem möglicherweise vorhandenen Dekompressionsventil ab.
Außerdem kann ein Motor trotz sichtbarer Riefen noch eine scheinbar brauchbare Kompression besitzen. Umgekehrt muss eine geringe Kompression nicht zwingend bedeuten, dass der komplette Zylinder unbrauchbar ist. Auch verklebte oder verschlissene Kolbenringe können dafür verantwortlich sein.
Am zuverlässigsten ist deshalb eine Kombination aus:
- Kompressionsprüfung
- Sichtkontrolle durch den Auslass
- Prüfung von Kolben und Zylinder nach der Demontage
- Druck- und Unterdruckprüfung des Kurbelgehäuses
Warum ist der Kolben überhaupt kaputtgegangen?
Vor dem Einbau eines neuen Zylinders muss die Ursache des Schadens gefunden werden. Ein Kolbenfresser entsteht nur selten ohne Grund.
Zu mageres Kraftstoff-Luft-Gemisch
Erhält der Motor zu wenig Kraftstoff beziehungsweise zu viel Luft, steigt die Verbrennungstemperatur. Gleichzeitig gelangt weniger Schmieröl in den Motor.
Mögliche Ursachen sind:
- falsch eingestellter Vergaser
- teilweise verstopfter Vergaser
- zugesetzter Kraftstofffilter
- geknickter oder undichter Kraftstoffschlauch
- defekter Impulsschlauch
- undichter Ansaugstutzen
- beschädigte Zylinderfußdichtung
- undichte Wellendichtringe
- lockere Vergaser- oder Zylinderbefestigung
Wird diese Ursache nicht behoben, kann auch ein neuer Zylindersatz innerhalb kurzer Zeit beschädigt werden.
Falsches Mischungsverhältnis
Ein Zweitaktmotor besitzt keinen separaten Ölkreislauf. Die Schmierung erfolgt durch das Zweitaktöl im Kraftstoff.
Zu wenig Öl kann zu Überhitzung, erhöhtem Verschleiß und einem vollständigen Festgehen des Kolbens führen. Verwendet werden sollte deshalb immer das vom Hersteller vorgeschriebene Mischungsverhältnis und ein Öl, das für hochdrehende, luftgekühlte Zweitaktmotoren geeignet ist. Husqvarna weist ebenfalls darauf hin, dass zu wenig Öl dauerhafte Motorschäden und Überhitzung verursachen kann.
Mehr Öl als vorgeschrieben ist allerdings ebenfalls keine sinnvolle Absicherung. Ein übermäßig hoher Ölanteil kann die Gemischzusammensetzung verändern, Ablagerungen fördern und zu schlechtem Motorlauf führen.
Überhitzung
Die Kühlung einer Motorsäge erfolgt über das Polrad, die Luftführung und die Kühlrippen des Zylinders. Sind diese Bereiche stark mit Sägemehl, Öl und Schmutz zugesetzt, kann die Wärme nicht mehr ausreichend abgeführt werden.
Auch ein zugesetzter Auspuff oder Funkenschutz kann die Abgastemperatur erhöhen und die Leistung beeinträchtigen. Hersteller weisen ausdrücklich darauf hin, dass verschmutzte Kühlsysteme Schäden an Kolben und Zylinder verursachen können.
Schmutz im Motor
Ein beschädigter, undichter oder falsch montierter Luftfilter kann feinen Staub in den Motor gelangen lassen. Die Partikel wirken zwischen Kolben, Kolbenringen und Zylinderlaufbahn wie Schleifmittel.
Bei solchen Schäden sind häufig nicht nur einzelne tiefe Fressspuren, sondern viele feine Riefen auf der Einlassseite zu erkennen.
Defekte Kurbelwellenlager
Ein beschädigtes Kurbelwellenlager kann Metallabrieb erzeugen oder dazu führen, dass die Kurbelwelle nicht mehr sauber läuft. Wird nur die Zylindergarnitur erneuert, ohne Lager und Kurbelwelle zu kontrollieren, ist der nächste Schaden vorprogrammiert.
Muss der Zylinder immer ersetzt werden?
Nicht jeder Zylinder mit sichtbaren Aluminiumspuren ist automatisch unbrauchbar. Bei einem Kolbenfresser kann sich Material des Kolbens auf der beschichteten Zylinderlaufbahn ablagern.
Ist die eigentliche Beschichtung darunter noch vollständig vorhanden, kann ein Originalzylinder unter Umständen aufbereitet und mit einem neuen Kolben weiterverwendet werden. Das setzt jedoch voraus, dass:
- keine tiefen Riefen vorhanden sind,
- die Beschichtung nicht abgeplatzt ist,
- die Laufbahn nicht verformt ist,
- die Kanalkanten unbeschädigt sind,
- und der Zylinder maßhaltig geblieben ist.
Ist die Beschichtung durchbrochen, abgeplatzt oder deutlich beschädigt, sollte der Zylinder ersetzt werden. Eine rein optische Reinigung reicht dann nicht aus.
Welche Teile werden für den Wechsel benötigt?
Je nach Motorsägenmodell benötigst du normalerweise:
- passenden Zylinder
- passenden Kolben
- neue Kolbenringe
- neuen Kolbenbolzen
- zwei neue Kolbenbolzen-Sicherungsclips
- neues Kolbenbolzen-Nadellager
- neue Zylinderfußdichtung oder vorgeschriebenes Dichtmittel
- neue Auspuff- und Ansaugdichtungen
- Zweitaktöl zur Montage
Viele vollständige Zylindersätze enthalten bereits Kolben, Ringe, Bolzen und Sicherungsclips. Das Nadellager und die benötigten Dichtungen sind jedoch nicht bei jedem Satz enthalten.
Vor der Bestellung müssen Modell, Ausführung und möglichst die OEM-Nummer überprüft werden. Einige Motorsägen wurden während ihrer Produktionszeit mit unterschiedlichen Zylindern, Kolbenbolzendurchmessern oder Dekompressionsventilen ausgestattet.
Zylinder und Kolben wechseln: Schritt für Schritt
Der genaue Aufbau unterscheidet sich je nach Modell. Die folgenden Arbeitsschritte beschreiben deshalb den allgemeinen Ablauf. Drehmomente, Dichtmittel und Besonderheiten müssen immer anhand der Herstellervorgaben für die jeweilige Motorsäge geprüft werden.
1. Motorsäge vorbereiten
Die Motorsäge muss vollständig abgekühlt sein. Kraftstoff und Kettenöl sollten vor größeren Reparaturarbeiten entleert werden.
Anschließend werden Schwert und Kette entfernt und der Zündkerzenstecker abgezogen. Der Arbeitsplatz sollte sauber sein, damit kein Schmutz in das geöffnete Kurbelgehäuse gelangt.
Vor der Demontage empfiehlt es sich, Fotos von Schläuchen, Kabeln und Gestängen anzufertigen.
2. Anbauteile entfernen
Je nach Modell müssen unter anderem folgende Bauteile demontiert werden:
- Motorhaube
- Luftfilter
- Vergaser
- Ansaugstutzen
- Auspuff
- Zündkerze
- Griff- oder Tankgehäuse
- Impuls- und Kraftstoffleitungen
Schläuche und empfindliche Kunststoffteile dürfen dabei nicht mit Gewalt abgezogen werden. Gerade bei älteren Motorsägen können verhärtete Ansaugstutzen oder Impulsschläuche schnell einreißen.
3. Zylinder abschrauben
Die Zylinderschrauben werden gleichmäßig gelöst. Anschließend wird der Zylinder vorsichtig nach oben abgezogen.
Lässt er sich nicht lösen, sollte nicht mit einem Schraubendreher zwischen die Dichtflächen gehebelt werden. Dadurch können Kurbelgehäuse und Zylinderauflage dauerhaft beschädigt werden.
Während der Zylinder abgezogen wird, müssen die Kolbenringe vorsichtig aus der Laufbahn geführt werden.
4. Kurbelgehäuse verschließen
Sobald der Zylinder entfernt wurde, sollte die Öffnung des Kurbelgehäuses mit einem sauberen, fusselfreien Tuch abgedeckt werden.
Dieser Schritt ist besonders wichtig, bevor die Sicherungsclips des Kolbenbolzens entfernt werden. Fällt ein Clip in das Kurbelgehäuse, muss der Motor im schlimmsten Fall vollständig zerlegt werden.
5. Alten Kolben ausbauen
Einer der beiden Kolbenbolzenclips wird entfernt. Anschließend kann der Kolbenbolzen herausgedrückt und der Kolben vom Pleuel abgenommen werden.
Der Kolbenbolzen darf nicht mit schweren Schlägen herausgetrieben werden. Sitzt er fest, sollte ein geeigneter Ausdrücker verwendet werden. Seitliche Belastungen können das Pleuel oder die Kurbelwellenlager beschädigen.
6. Kurbelwelle und Pleuel prüfen
Bevor neue Teile eingebaut werden, müssen Unterbau und Kurbeltrieb kontrolliert werden.
Achte besonders auf:
- fühlbares Höhenspiel am Pleuel
- raue oder schwergängige Kurbelwellenlager
- metallische Geräusche beim Drehen
- Verfärbungen durch Überhitzung
- beschädigte Dichtflächen
- Metallspäne oder Bruchstücke im Kurbelgehäuse
- eingelaufenen Kolbenbolzen
- verschlissenes Nadellager
Seitliches Spiel des Pleuels kann konstruktionsbedingt normal sein. Deutliches Höhenspiel am unteren Pleuellager ist dagegen ein ernstes Warnzeichen.
Sind Kurbelwelle oder Lager beschädigt, sollte kein neuer Zylindersatz montiert werden, bevor der Unterbau instand gesetzt wurde.
7. Neuen Kolben vorbereiten
Das neue Nadellager wird mit sauberem Zweitaktöl benetzt und in das obere Pleuelauge eingesetzt.
Danach wird der Kolben in der richtigen Richtung montiert. Bei vielen Motorsägen zeigt ein Pfeil auf dem Kolben zum Auslass. Entscheidend ist jedoch immer die Kennzeichnung des jeweiligen Herstellers.
Die Einbaurichtung ist wichtig, weil die Stoßstellen der Kolbenringe durch kleine Sicherungsstifte im Kolben geführt werden. Werden Kolben oder Ringe falsch montiert, kann ein Ringende in einen Zylinderkanal geraten und schwere Schäden verursachen.
8. Kolbenbolzen und Clips montieren
Der Kolbenbolzen wird vorsichtig durch Kolben, Nadellager und Pleuel geschoben. Anschließend werden neue Sicherungsclips eingesetzt.
Alte Clips sollten nicht wiederverwendet werden. Beide Clips müssen vollständig in ihren Nuten sitzen. Ein nicht richtig eingerasteter Clip kann sich während des Betriebs lösen und Zylinder sowie Kolben zerstören.
Nach der Montage sollte nochmals kontrolliert werden, ob:
- beide Clips vollständig eingerastet sind,
- sich der Kolben frei bewegen kann,
- der Bolzen korrekt sitzt,
- und kein Bauteil in das Kurbelgehäuse gefallen ist.
9. Kolbenringe montieren
Die Kolbenringe werden vorsichtig in die vorgesehenen Ringnuten eingesetzt. Sie dürfen nicht unnötig weit aufgebogen werden.
Die Ringstöße müssen genau an den Sicherungsstiften des Kolbens anliegen. Sitzt ein Ring nicht richtig, lässt sich der Zylinder nicht ohne Widerstand aufschieben.
Kolben, Ringe und Zylinderlaufbahn werden vor der Montage leicht mit sauberem Zweitaktöl benetzt.
10. Zylinder aufsetzen
Zunächst werden die Dichtflächen gründlich gereinigt. Alte Dichtungsreste müssen entfernt werden, ohne die Flächen zu zerkratzen.
Anschließend wird je nach Modell eine neue Zylinderfußdichtung oder das ausdrücklich vorgeschriebene Dichtmittel verwendet. Gewöhnliches Sanitärsilikon oder eine große Menge Universaldichtmasse gehört nicht an den Zylinderfuß.
Die Kolbenringe werden mit den Fingern zusammengedrückt und der Zylinder gerade über den Kolben geschoben. Dabei darf keine Gewalt angewendet werden.
Bleibt der Zylinder hängen, muss die Position der Ringe kontrolliert werden. Durch starkes Drücken können die Kolbenringe brechen oder die Kanalkanten beschädigt werden.
11. Zylinder festschrauben
Die Zylinderschrauben werden zunächst von Hand angesetzt. Danach werden sie gleichmäßig und über Kreuz in mehreren Stufen angezogen.
Das endgültige Drehmoment ist modellspezifisch und muss aus dem passenden Werkstatthandbuch übernommen werden. Zu lockere Schrauben können Undichtigkeiten verursachen. Zu stark angezogene Schrauben können Gewinde oder Zylinderfuß beschädigen.
12. Ansaugung und Auspuff montieren
Vergaser, Ansaugstutzen, Impulsschlauch und Auspuff werden mit einwandfreien Dichtungen montiert.
Besonders sorgfältig müssen folgende Punkte kontrolliert werden:
- Ansaugstutzen sitzt spannungsfrei.
- Impulsschlauch ist angeschlossen und unbeschädigt.
- Kraftstoffschläuche sind nicht geknickt.
- Vergaser sitzt gerade auf dem Flansch.
- Gas- und Chokegestänge funktionieren frei.
- Auspuff und Hitzeschutz sind korrekt befestigt.
- Kühlluftführung und Motorhaube sind vollständig montiert.
Druck- und Unterdrucktest nicht vergessen
Nach einer Motorreparatur sollte das Kurbelgehäuse auf Dichtheit geprüft werden. Dabei wird kontrolliert, ob Zylinderfuß, Ansaugung, Wellendichtringe und weitere Verbindungen Druck beziehungsweise Unterdruck halten.
Dieser Test ist besonders wichtig, wenn der ursprüngliche Schaden durch ein zu mageres Gemisch verursacht worden sein könnte.
Eine Motorsäge kann im Leerlauf scheinbar normal laufen und unter hoher Drehzahl trotzdem Nebenluft ziehen. Ohne Dichtheitsprüfung bleibt dieses Risiko unentdeckt.
Vergaser nach dem Zylinderwechsel richtig einstellen
Ein neuer Zylinder darf nicht mit einer deutlich zu mageren Vergasereinstellung betrieben werden. Nach dem Zusammenbau sollte deshalb zunächst die Grundeinstellung des Herstellers verwendet werden.
Nach dem Warmlaufen müssen Leerlauf, Beschleunigung und Höchstdrehzahl kontrolliert werden. Die endgültige Einstellung sollte unter realer Belastung und möglichst mit einem Drehzahlmesser erfolgen.
Bei Motorsägen mit elektronischer Motorsteuerung wie M-Tronic oder AutoTune müssen die jeweiligen Vorgaben zur Kalibrierung und zum Einlernen beachtet werden.
Muss ein neuer Zylinder eingefahren werden?
Verwende von Anfang an frischen Kraftstoff mit dem vorgeschriebenen Mischungsverhältnis. Eine zusätzliche Menge Zweitaktöl ist normalerweise nicht erforderlich und ersetzt keine korrekte Vergasereinstellung.
Während der ersten Betriebszeit sollten längere Vollgasphasen ohne Belastung vermieden werden. Sinnvoll sind wechselnde Drehzahlen und normale Schnitte mit moderater Belastung.
Kontrolliere nach dem ersten Betrieb:
- Startverhalten
- Leerlauf
- Gasannahme
- Motortemperatur
- Dichtheit
- ungewöhnliche Geräusche
- Zustand der Zündkerze
- Funktion der Kettenschmierung
Qualitätsunterschiede bei Nachbauzylindern
Bei Nachbauzylindern gibt es große Qualitätsunterschiede. Der Begriff „Nachbau“ sagt zunächst nur aus, dass es sich nicht um ein Originalteil des Motorsägenherstellers handelt.
Ein hochwertiger Nachbau kann eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum Originalzylinder sein. Sehr günstige No-Name-Sätze können dagegen stärkere Schwankungen bei Material, Beschichtung und Maßhaltigkeit aufweisen.
Günstige No-Name-Zylinder aus China
Nicht jeder in China hergestellte Zylinder ist automatisch schlecht. Es gibt dort sowohl einfache als auch hochwertige Fertigungsbetriebe. Bei extrem günstigen, nicht näher gekennzeichneten Zylindersätzen ist die Qualitätskontrolle jedoch häufig schwer einzuschätzen.
Mögliche Unterschiede zeigen sich bei:
- Gleichmäßigkeit der Zylinderbeschichtung
- Rundheit und Maßhaltigkeit der Laufbahn
- Bearbeitung der Einlass-, Auslass- und Überströmkanäle
- Entgratung der Kanalkanten
- Position und Form der Steuerkanäle
- Qualität der Gewinde
- Material des Kolbens
- Passung des Kolbenbolzens
- Qualität der Kolbenringe
- Ausführung der Kühlrippen
- allgemeiner Gussqualität
Vor dem Einbau sollte ein günstiger Nachbauzylinder deshalb genau kontrolliert werden. Scharfe Kanalkanten, Gussreste, beschädigte Gewinde oder eine auffällige Beschichtung dürfen nicht ignoriert werden.
Ein günstiger Satz kann für eine preiswerte Hobbysäge wirtschaftlich sein. Bei einer hochwertigen Profisäge oder einer aufwendigen Reparatur ist ein sehr billiger Zylinder jedoch häufig die falsche Stelle zum Sparen.
Was unterscheidet Meteor-Zylinder?
Meteor Piston ist ein italienischer Hersteller von Kolben und Zylindern für Motorsägen, Freischneider und andere Motorgeräte. Das Unternehmen bietet gegossene, wärmebehandelte und bearbeitete Aluminiumzylinder sowie Nikasil-beschichtete, OEM-kompatible Nachbauteile an. Zum Sortiment gehören außerdem Kolben und Kolbenringe für zahlreiche Motorsägenmodelle.
Meteor-Zylindersätze werden häufig mit Kolbenringen von Caber angeboten. Gegenüber sehr günstigen No-Name-Produkten liegt der Vorteil vor allem in der normalerweise besser nachvollziehbaren Herkunft, der gleichmäßigeren Fertigungsqualität und der modellspezifischen Zuordnung.
Typische Vorteile hochwertiger Zylindersätze sind:
- gleichmäßigere Zylinderbeschichtung
- sauberer bearbeitete Laufbahn
- bessere Maßhaltigkeit
- passendere Steuerkanäle
- hochwertigere Kolbenringe
- zuverlässigere Passung von Kolben und Bolzen
- bessere Ersatzteilzuordnung
- geringere Schwankungen zwischen einzelnen Chargen
Ein Meteor-Zylinder ist weiterhin ein Nachbauteil und kein Originalzylinder von STIHL, Husqvarna, ECHO oder Dolmar. Er stellt jedoch häufig einen sinnvollen Mittelweg zwischen einem teuren Originalteil und einem besonders günstigen No-Name-Satz dar.
Original, Meteor oder günstiger Nachbau?
Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Wert und Einsatzbereich der Motorsäge ab.
Originalzylinder
Ein Originalzylinder bietet normalerweise die beste Übereinstimmung mit der ursprünglichen Konstruktion. Er ist besonders sinnvoll bei:
- hochwertigen Profisägen
- nahezu neuwertigen Maschinen
- gewerblicher Dauernutzung
- seltenen oder besonders wertvollen Modellen
- Reparaturen, bei denen maximale Originalität wichtig ist
Der größte Nachteil ist der oftmals hohe Preis.
Hochwertiger Nachbau wie Meteor
Ein hochwertiger Nachbau eignet sich besonders, wenn:
- ein Originalzylinder zu teuer oder nicht mehr verfügbar ist,
- die Motorsäge weiterhin regelmäßig genutzt werden soll,
- eine zuverlässige und wirtschaftliche Reparatur gesucht wird,
- und ein extrem günstiger No-Name-Satz vermieden werden soll.
Günstiger No-Name-Zylinder
Ein besonders günstiger Zylindersatz kann infrage kommen, wenn:
- die Motorsäge nur einen geringen Restwert besitzt,
- sie nur gelegentlich genutzt wird,
- eine kostengünstige Reparatur im Vordergrund steht,
- und der Satz vor dem Einbau gründlich geprüft wird.
Unabhängig von der gewählten Marke gilt: Der beste Zylinder hält nicht lange, wenn Nebenluft, Kraftstoffmangel, Überhitzung oder eine falsche Vergasereinstellung als ursprüngliche Schadensursache bestehen bleiben.
Häufige Fehler beim Zylinderwechsel
Nur den Kolben ersetzen
Ist die Zylinderbeschichtung beschädigt, reicht ein neuer Kolben nicht aus. Der neue Kolben und die Ringe würden erneut an den vorhandenen Riefen verschleißen.
Schadensursache nicht suchen
Ein neuer Zylindersatz behebt nicht automatisch einen undichten Wellendichtring, einen verstopften Vergaser oder eine falsche Einstellung.
Alten Kolbenbolzenclip wiederverwenden
Ein alter oder verformter Sicherungsclip kann sich lösen und innerhalb weniger Sekunden einen schweren Motorschaden verursachen.
Kolben falsch herum einbauen
Eine falsche Einbaurichtung kann dazu führen, dass die Kolbenringe mit einem Zylinderkanal kollidieren.
Kolbenringe mit Gewalt zusammendrücken
Sitzt ein Ring nicht an seinem Sicherungsstift, darf der Zylinder nicht mit Kraft aufgeschoben werden.
Dichtflächen beschädigen
Tiefe Kratzer am Zylinderfuß oder Kurbelgehäuse können zu Nebenluft und damit zum nächsten Kolbenfresser führen.
Vergaser zu mager einstellen
Eine hohe Drehzahl bedeutet nicht automatisch eine gute Einstellung. Ein zu mager laufender Motor kann sehr schnell überhitzen.
Lohnt sich der Zylinderwechsel?
Ein neuer Zylindersatz lohnt sich häufig, wenn:
- Kurbelwelle und Lager in Ordnung sind,
- das Kurbelgehäuse unbeschädigt ist,
- die restliche Motorsäge vollständig und technisch brauchbar ist,
- passende Ersatzteile verfügbar sind,
- und der Wert der reparierten Säge die Kosten rechtfertigt.
Bei mehreren schweren Schäden kann eine Reparatur dagegen unwirtschaftlich werden. Das gilt insbesondere bei einem beschädigten Kurbelgehäuse, defekter Kurbelwelle, ausgeschlagenen Lagerstellen und gleichzeitig fehlenden oder teuren Anbauteilen.
Reparatur sorgfältig durchführen
Der Wechsel von Kolben und Zylinder ist bei vielen Motorsägen grundsätzlich möglich. Entscheidend ist jedoch nicht nur der eigentliche Einbau.
Eine zuverlässige Reparatur umfasst immer:
- den Motorschaden eindeutig feststellen,
- die Ursache des Schadens finden,
- Kurbelwelle und Lager kontrollieren,
- passende und qualitativ geeignete Ersatzteile auswählen,
- alle Dichtungen und Sicherungsteile erneuern,
- den Motor sauber und fachgerecht montieren,
- das Kurbelgehäuse auf Dichtheit prüfen,
- und den Vergaser anschließend korrekt einstellen.
In unserem Onlineshop findest du Zylinder, Kolben und weitere Motorenteile für zahlreiche Motorsägenmodelle. Bist du dir bei der Auswahl nicht sicher, sende uns die genaue Modellbezeichnung, vorhandene OEM-Nummern und einige Bilder des alten Zylinders. So können wir prüfen, welches Ersatzteil zu deiner Motorsäge passt.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Arbeiten am Motor sollten nur mit den erforderlichen Fachkenntnissen und geeignetem Werkzeug durchgeführt werden. Vor der Reparatur müssen Zündkerzenstecker, Kraftstoff und Schneidgarnitur entfernt beziehungsweise gesichert werden. Vor der erneuten Verwendung müssen außerdem Kettenbremse, Gashebelsperre, Kettenfänger, Kettenschmierung und alle weiteren Sicherheitseinrichtungen vollständig montiert und funktionsfähig sein.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich nur den Kolben wechseln und den alten Zylinder behalten?
Ja, wenn die Beschichtung des Zylinders vollständig intakt und die Laufbahn maßhaltig ist. Bei tiefen Riefen, abgeplatzter Beschichtung oder Verformungen muss der Zylinder ersetzt werden.
Zeigt der Pfeil auf dem Kolben immer zum Auslass?
Bei vielen Motorsägen zeigt der Pfeil zum Auslass. Maßgeblich sind jedoch die Angaben und Markierungen für den jeweiligen Kolben und das konkrete Motorsägenmodell.
Kann ich alte Kolbenbolzenclips wiederverwenden?
Davon ist abzuraten. Die Sicherungsclips sind günstig und sollten bei einer Motorreparatur grundsätzlich erneuert werden.
Muss ich das Kolbenbolzenlager ebenfalls wechseln?
Ein neues Nadellager ist empfehlenswert. Das alte Lager muss spätestens dann ersetzt werden, wenn Laufspuren, Verfärbungen, Spiel oder eine raue Oberfläche erkennbar sind.
Warum geht ein neuer Kolben nach kurzer Zeit wieder kaputt?
Häufig wurde die ursprüngliche Schadensursache nicht beseitigt. Typische Gründe sind Nebenluft, Kraftstoffmangel, eine zu magere Vergasereinstellung, falsches Kraftstoffgemisch oder Überhitzung.
Sind alle China-Zylinder schlecht?
Nein. Die Qualität hängt vom Hersteller und der Qualitätskontrolle ab. Bei sehr günstigen No-Name-Produkten können Material, Beschichtung und Maßhaltigkeit jedoch stärker schwanken.
Ist Meteor genauso gut wie ein Originalzylinder?
Meteor ist ein hochwertiger Nachbauhersteller, aber nicht der Originalhersteller der Motorsäge. Die Teile können eine sehr gute Alternative darstellen, sind jedoch nicht automatisch in jedem Detail mit einem Originalzylinder gleichzusetzen.
